„Ich fühl’s nicht!“

Kunst, Geschlecht und die emotionale Politik der Bilder

Leitende:  Georg Oberlechner und Sarah Fichtinger 
Co-Forschende: Studierende des IKL und Schüler*innen der Partnerschule BAfEP Kenyongasse und Kunstlehrerin Marion Bugelnig-Berger  
Laufzeit:12.03.26 – 11.06.26

“Ich fühl’s nicht!” – Ja, warum eigentlich? Gefühle werden oft als etwas Persönliches bzw. Individuelles wahrgenommen – als Reaktionen, die scheinbar ‘einfach da sind’. Das Forschungsstudio setzt hier an und verschiebt diese Perspektive: Emotionen werden als sozial, kulturell und medial geprägte Phänomene verstanden, die in Kunst und Medien nicht nur dargestellt, sondern aktiv hervorgebracht und strukturiert werden. Im Zentrum stehen die Fragen, wie Gefühle mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen – besonders in Hinblick auf Gender – verflochten sind und wie künstlerische Praktiken das Be- und Verarbeiten von Emotionen als politisch wirksame und wahrnehmungsprägende Prozesse erfahrbar machen – und welches Erkenntnispotenzial dabei in der künstlerischen Forschung selbst liegt. 

Theoretisch verbindet das Studio Ansätze aus Gender Studies, Medien- und Kulturwissenschaften sowie zeitgenössischer Kunsttheorie. Arbeiten von Pragya Agarwal (2022) zeigen, dass Gefühle historisch codiert sind und ihre vergeschlechtlichte Zuschreibung patriarchale Gesellschaftsordnungen stabilisieren können. Digitale Plattformen verstärken diese Dynamiken, indem sie Emotionen nicht nur sichtbar machen, sondern auch normieren und ökonomisieren (vgl. Laura Wiesböck 2025). Gleichzeitig eröffnen sie neue Räume für Ausdruck innerhalb eines kritischen Spannungsverhältnisses zwischen Enttabuisierung, Verherrlichung von Gefühlszuständen und mentaler Gesundheit. 

Auch Technologien und künstlerische Praktiken werden als affektive Umgebungen begriffen, die Wahrnehmung und Erfahrung mitgestalten. Theoretische Ansätze wie “Thinking Feeling” von Jeniffer Doyle (2013) betonen, dass die entstehenden emotionalen Erfahrungen dabei nicht universell sind, sondern häufig beeinflusst durch das soziale Umfeld der Künstler*in und des Publikums. Vor diesem Hintergrund versteht das Forschungsstudio künstlerische Praxis als eigenständige Erkenntnisform: Wissen entsteht im Zusammenspiel von Erkundung, ästhetischer Erfahrung und gemeinsamer Reflexion. 

Im ersten Teil des Forschungsstudios setzen sich die Studierenden auf einer theoretischen Ebene mit den oben genannten Positionen sowie mit künstlerischen Zugängen auseinander. Im zweiten Teil tauschen sie sich mit den Schüler*innen der BAfEP Kenyongasse über ihre bisherigen Analysen und Reflexionen aus, knüpfen an eigene Erfahrungen an und entwickeln in einem offenen Setting gemeinsam eigene Fragestellungen, welche in Folge künstlerisch bearbeitet werden. Das Forschungsstudio versucht so, Emotionen im Kontext von Kunst und Geschlecht sowohl zu analysieren als auch in eine praktische Auseinandersetzung mit ihnen zu gehen, um sich dadurch ein Stück weit an ihre Komplexität anzunähern. 

Agarwal, Pragya. Hysterical: Exploding the Myth of Gendered Emotions. Paperback edition. Canongate, 2023.
Doyle, Jennifer. Hold It against Me: Difficulty and Emotion in Contemporary Art. Duke university press, 2013
Wiesboeck, Laura. Digitale Diagnosen. Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend, 1. Aufl. Paul Zsolnay Verlag Ges. m. b. H., o. J., 2025

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